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Sprechender Sprachatlas von Unterfranken


Rückblick

Für viele Jahre bot das kulturwissenschaftliche Informationsportal der Bayerischen Landesbibliothek BLO zunächst mit dem Sprechenden Sprachatlas von Bayern, später auch mit dem Sprechenden Sprachatlas von Bayerisch-Schwaben und dem Sprechenden Sprachatlas von Niederbayern und angrenzendem Böhmerwald (http://www.bayerische-landesbibliothek-on­line.de/sprachatlas) digitale Versionen von Sprachatlanten, die die räumliche Verbreitung von dialektalen Phänomenen nicht nur kartographisch veranschaulichten, sondern auch hörbar machten. Diese Internetangebote stießen auf eine sehr positive Resonanz in der Öffentlichkeit und zwar sowohl bei dialektinteressierten Laien als auch bei wissenschaftlichen Einrichtungen. Zudem eignete sich der Zugriff über das Internet hervorragend für den Einsatz zu Unterrichtszwecken. Angeregt von Prof. Werner König (Uni Augsburg) erhielt das Unterfränkische Dialektinstitut 2014 eine Anfrage von der Bayerischen Staatsbibliothek zur Erstellung eines Sprechenden Sprachatlas von Unterfranken. Dieser sollte – wie auch der Sprechende Sprachatlas von Bayern – auf der bereits publizierten Version des populärwissenschaftlichen Kleinatlas basieren, aber noch um weitere Karten angereichert werden. Um das Projekt durchführen zu können, bewilligte das Bayerische Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst Mittel für Sach- und Personalkosten, so dass 2015 mit der Umsetzung begonnen werden konnte.


Von BLO zu bavarikon

Seit Mai 2015 gibt es mit bavarikon eine neue spartenübergreifende Onlineplattform des Freistaats Bayern zur Kunst, Kultur und Landeskunde Bayerns. Deshalb wird BLO seit einiger Zeit nicht mehr aktualisiert.

Die Projektseiten werden schrittweise in die neue, technisch ausgereiftere Plattform bavarikon umgezogen und fortlaufend mit weiteren Projekten und Inhalten angereichert. Noch sind die früher in BLO verfügbaren Sprechenden Sprachatlanten dort nicht online verfügbar. Lediglich der Sprechende Sprachatlas von Bayern kann mittlerweile über das ISB-Portal „Dialekt und regionale Kultur“ (https://www.dialekte.schule.bayern.de/theorie/sprechender-sprachatlas-v-bayern/) aufgerufen werden. Für die Migration sämtlicher Sprechender Sprachatlanten von BLO nach bavarikon sollte der Sprechende Sprachatlas von Unterfranken als Pilotprojekt dienen. Leider gibt es derzeit keine aktuellen Informationen, wann der Sprechende Sprachatlas von Unterfranken sowie alle anderen o.g. Sprechenden Sprachatlanten in bavarikon bereitgestellt werden.


Der Sprechende Sprachatlas von Unterfranken

Der Sprechende Sprachatlas von Unterfranken enthält 100 farbige Flächenkarten. Sie veranschaulichen die räumliche Verbreitung von dialektalen Phänomenen aus den Bereichen Lautung, Formenbildung und Wortschatz. Knapp die Hälfte der diesem Projekt zugrundeliegenden Karten stammt aus dem Kleinen Unterfränkischen Sprachatlas (KUSs), der 2007 im Winter-Verlag in Heidelberg erschienen ist. Mit den dazugehörigen Kommentaren bietet der KUSs einen wissenschaftlich fundierten und dennoch für den Laien verständlichen Überblick über die Vielfalt der Dialekte Unterfrankens. Weitere 52 Karten sind im Laufe der Jahre vor allem für Vorträge und Artikel entstanden. Auch wenn die farbigen Flächenkarten zwar optisch ansprechend und auf den ersten Blick leicht verständlich sind, können gerade für Laien erklärende Kommentare hilfreich sein und interessante weiterführende Informationen bieten. In Kürze werden wir beginnen, die Kommentare zu den 52 Karten nach und nach auf dieser Seite bereitzustellen.

Alle Karten im Sprechenden Sprachatlas von Unterfranken basieren wiederum auf dem Material des Sprachatlas von Unterfranken (SUF), der als wissenschaftliches Grundlagenwerk die Vielfalt der Dialekte von Unterfranken darstellt. Er war eines von sechs Teilprojekten im Forschungsverbund ‚Bayerischer Sprachatlas (BSA)‘. Der SUF beendete mit dem Jahr 2003 seine umfassenden Forschungsarbeiten, seit 2009 liegt er vollständig publiziert vor. Basis für den Atlas waren einwöchige Erhebungen in 179 Orten in ganz Unterfranken. Sie erbrachten für jeden Ort vergleichbares Datenmaterial von ungefähr 2700 in phonetischer Schrift festgehaltenen Dialektsequenzen.

Die für den Sprechenden Sprachatlas von Unterfranken verwendeten Tondokumente aus 30 Orten wurden 2016 neu aufgenommen und bearbeitet. Da wir uns aus Gründen der Handhabbarkeit und Benutzerfreundlichkeit an den beiden Vorreitern, dem Sprechenden Sprachatlas von Bayern und dem Sprechenden Sprachatlas von Bayerisch-Schwabenorientiert haben, waren einige Anpassungen der bereits vorhandenen Karten nötig. Deshalb treten bei einigen wenigen Karten geringfügige Unterschiede zwischen den bereits im KUSs publizierten und den im Sprechenden Sprachatlas von Unterfranken veröffentlichten Karten auf. Zum besseren Verständnis hier ein Beispiel zur Realisierung von mhd. œ in böse: Die linke KUSs-Karte zeigt nur die mundartlichen Realisierungen des untersuchten Phänomens, also wie der Stammvokal ö in den verschiedenen Regionen Unterfrankens ausgesprochen wird, alle weiteren Informationen sind in der Legende zu finden. Die rechte Karte für den Sprechenden Sprachatlas von Unterfranken ist für Laien leichter lesbar, da die mundartlichen Realisierungen des ganzen Wortes in die Karte eingetragen sind und auf eine Legende weitgehend verzichtet wird.

Der Sprechende Sprachatlas von Unterfranken wurde von Oktober 2015 bis April 2017 im Unterfränkischen Dialektinstitut in Würzburg erstellt. Er entstand unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Wolf Peter Klein (Universität Würzburg, Lehrstuhl für Deutsche Sprachwissenschaft) und Dr. Monika Fritz-Scheuplein (Universität Würzburg, Unterfränkisches Dialektinstitut). Die Bearbeitung erfolgte durch Verena Diehm M.A. (Universität Würzburg, Unterfränkisches Dialektinstitut).


Dialektforschung und Dokumentation für den sprechenden Sprachatlas: In dieser Angelegenheit stand Arnold Nöth Verena Diehm vom Unterfränkischen Dialektinstitut in Würzburg Rede und Antwort. Foto: Nöth

Einen Pressebericht über Verena Diehms Aufnahme in Münnerstadt finden Sie hier: Der Mundart auf der Spur

Wenn Sie Genaueres über die Konzeption des Sprechenden Sprachatlas von Unterfranken (SprSUF) erfahren möchten, dann empfehlen wir Ihnen diesen Aufsatz:

Verena Diehm/Monika Fritz-Scheuplein: Populäre Dialektologie – Zur Vermittlung von Dialektwissen in der Öffentlichkeit. In: Mechthild Habermann/Sebastian Kürschner/Peter O. Müller (Hrsg.): Methodik moderner Dialektforschung. Erhebung, Aufbereitung und Auswertung von Daten am Beispiel des Oberdeutschen. Olms-Weidmann, Hildesheim/Zürich/New York 2019, S. 539-557. (= Germanistische Linguistik 241-243)

Eine ausführlichere Projektbeschreibung des Sprechenden Sprachatlas von Unterfranken finden Sie unter https://regionalsprache.de/sprsuf-autorin.aspx.


Zugriff auf den SprSUF über das Marburger REDE-Portal

Nachdem die Bereitstellung des SprSUF in bavarikon noch nicht abgeschlossen ist, freuen wir uns, dass die SprSUF-Daten nun seit Sommer 2021 über regionalsprache.de, dem REDE-Portal des Forschungszentrums Deutscher Sprachatlas in Marburg, für die Öffentlichkeit zur Verfügung stehen. 

Zu finden sind sie in SprachGIS unter https://regionalsprache.de/SprachGIS/Map.aspx, hier kann man auch alle weiteren Sprechenden Sprachatlanten abrufen, an deren Bereitstellung derzeit noch gearbeitet wird. Da die Internetangebote der Marburger Kollegen, bei denen wir uns ganz herzlich für die gute und fruchtbare Zusammenarbeit bedanken, in erster Linie für wissenschaftliche Nutzer und Zwecke gedacht sind, die Sprechenden Sprachatlanten aber häufig auch von einem breiten Publikum aufgerufen werden, hat die studentische UDI-Mitarbeiterin Annika Müller ein Tutorial (filmische Gebrauchsanleitung) speziell für Laiennutzer erstellt. Unser Tipp: Bitte schauen Sie sich dieses ca. fünfminütige Tutorial an. Es zeigt Ihnen, wie Sie in wenigen Schritten auf den Sprechenden Sprachatlas von Unterfranken (SprSUF) zugreifen und auf der Seite navigieren können. Wenn Sie wissen möchten, zu welchen Wörtern bzw. zu welchen Themen es Karten mit Hörbeispielen im SprSUF gibt, dann öffnen Sie bitte dieses Inhaltsverzeichnis des SprSUF. Es verzeichnet die Kartennummer. den Kartentitel und den Kartentyp, also ob es sich um eine Laut-, Wortschatz- oder Formenkarte handelt.


Im Laufe von 2022 beginnen wir mit der Bereitstellung von Kommentaren.

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